mechanisches Wärmeäquivalent

Wärme ist eine Energieform und besitzt daher auch die physikalische Einheit Joule, Ws bzw. Nm einer Energie. Dies war aber nicht immer so!

Früher wurde Wärme nicht als ungeordnete (!) Bewegungsenergie von Teilchen verstanden, sondern als ein eigenständiger, unsichtbarer und gewichtloser Stoff namens Caloricum (Wärmestoff). Um die Menge dieses vermeintlichen Stoffes zu messen, definierte man die Einheit Kalorie.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert glaubten Wissenschaftler im Zuge dieser Wärmestofftheorie, dass heiße Gegenstände viel „Caloricum“ enthalten und dieses beim Abkühlen auf kältere Gegenstände überfließt. Der Begriff Kalorie wurde um 1824 von dem französischen Physiker Nicolas Clément eingeführt. Eine Kalorie (cal) war die Menge an Wärmestoff, die nötig war, um ein Gramm Wasser um ein Grad Celsius zu erwärmen. Zur Erwärmung von 1 kg Wasser um 1 °C benötigt man daher 1 Kilokalorie (kcal). Bei Äußerungen zum Brennwert von Lebensmitteln wird leider sehr oft das Präfix kilo unterschlagen. Dann heißt es, dieses oder jenes Lebenmittel habe 230 Kalorien anstatt der echten 230 Kilokalorien, immerhin das 1000-fache 😉

Um 1840 bewies der Physiker James Prescott Joule durch Experimente, dass Wärme kein Stoff ist, sondern eine Form von Energie (mechanische Arbeit erzeugt Wärme). Da Wärme eine gewöhnliche Energieform ist, wurde die Kalorie im internationalen Einheitensystem (SI) offiziell durch die allgemeine Energieeinheit Joule ersetzt.

Heute überlebt die Kalorie hauptsächlich noch umgangssprachlich bei der Angabe des Energiewerts von Lebensmitteln. So besitzen etwa Nüsse einen Brennwert von ca. 600 kcal/100g. Hier habe ich den entsprechenden Versuch durchgeführt: https://stoppi-homemade-physics.de/brennwert-von-lebensmittel/
In diesem Experiment möchte ich den Zusammenhang zwischen den beiden Energieeinheiten Kalorie (cal) und Joule (J) ermitteln. Wieviel Joule entspricht eine Kalorie? Dazu bediene ich mich folgenden Aufbaus:
An einer Federwaage ist ein Seil montiert. Dieses Seil wickelt man mehrmals um einen Metallzylinder. Am Seilende hängt dann ein Gewicht. Dreht man nun den Metallzylinder, so kommen Reibungskräfte ins Spiel und verändern die mit der Federwaage angezeigte Kraft F. Aus der Kraftveränderung, der Drehzahl des Metallzylinders und seinem Radius r lässt sich die vom Seil am Metallzylinder geleistete Arbeit W ermitteln.
Ohne Wärmeverluste entspricht diese mechanische Arbeit W der zugeführten Wärmemenge Q. Diese Wärmemenge Q kann aber auch mittels der gemessenen Temperaturzunahme ΔT, der Masse m und der sog. spezifischen Wärmekapazität des Metallzylinders bestimmt werden. Die zugeführte mechanische Energie berechne ich in Joule, die zugeführte Wärmeenergie in Kalorien. Setzt man beide Resultate gleich, erhält man die gesuchte Beziehung zwischen Joule und Kalorie, Voila…
Die spezifische Wärmekapazität c eines Materials drückt aus, welche Wärmemenge benötigt wird, um 1 kg des Stoffs um 1 °C zu erwärmen. Schwer zu erwärmende Stoffe haben demnach ein großes c, leicht erwärmbare hingegen ein kleines. Wasser lässt sich zum Beispiel sehr, sehr schwer erhitzen und besitzt eine spezifische Wärmekapazität von cWasser = 1 cal/g · °C. Messing als typisches Metall lässt sich hingegen deutlich leichter erwärmen und besitzt daher eine spezifische Wärmekapazität von nur cMessing = 0.090 cal/g · °C.
Die für dieses Experiment benötigten Teile habe ich wieder von Amazon bzw. anderen Internethändlern:
Meine Wahl fiel auf einen 30 x 50 mm messenden Messingzylinder:
Die Masse konnte ich zu m = 306 g mit meiner Küchenwaage bestimmen:
Beim Seil habe ich mich für ein 3 mm dickes Polyesterseil entschieden:
Das Digitalthermometer werde ich seitlich in den Messingzylinder reinstecken und mit Wärmeleitkleber fixieren.
Die Seilkraft F werde ich versuchen mit meiner Kofferwaage zu messen:
Die Handkurbel habe ich mir aus 1 mm starken Messingblech selbst gefertigt, indem ich 3 Lagen miteinander verlötet habe. Warum griff ich nicht etwa zu einer 3 mm dicken Aluleiste? Nun ich ging zuerst davon aus, dieses Messingstück dann aus Gründen der Stabilität mit der Messinggewindestange zu verlöten. Bei Aluminium wäre dies mir nicht möglich gewesen…
Mit meinem Gewindeschneidersatz schnitt ich dann zwei M10 Gewinde in das Messingteil:
Ich habe mich auch bewusst für die viel teurere Messinggewindestange entschieden, da diese die Drehachse für den Messingmetallzylinder bildet. Damit hier zur leichteren Berechnung der zugeführten Wärmemenge Q nur reines Messing vorliegt, entschied ich mich für die Gewindestange aus Messing und nicht aus Stahl 😉
Schön langsam nimmt die DIY-Kurbel Form an:
Die M10 Gewindestange lagere ich mittels folgender 10 mm Gehäuselager von Amazon:
Danach ging es ans Bohren der beiden Löcher in den Messingzylinder. Auf der einen Seite musste ich ein Loch für das Thermometer bohren, in die andere Seite kommt ein M10 Gewinde. Um die beiden Löcher wirklich schön mittig zu bohren bediente ich mich folgender Vorgehensweise mit einem Filzstift: Ich drehte den Zylinder in meinem Universalstativ und führte währenddessen den danach wieder ruhenden Stift an die Stirnseite. Dreht sich der Zylinder ausschließlich um seine eigene Achse, müsste man mit dem Stift je nach dessen Position einen kleinen Kreis zeichnen können, in dessen Mittelpunkt sich der Zylindermittelpunkt befindet:
Den Mittelpunkt körnte ich an und fing dann an, schrittweise immer größere Löcher zu bohren:
Das Thermometer passt perfekt in das eine Loch im Messingzylinder:
Das Thermometer dreht sich dann ja im Experiment schnell um seine Achse. Damit es dabei nicht eiert, verwende ich eine passende Führungsrolle, welche ich mit einem kleinen Stativ fixieren werde:
                                  
Das Loch auf der anderen Seite zu bohren war deutlich mühsamer, da es ein großes M10-Gewinde beheimaten muss. Da ich keine Drehbank besitze, musste ich alles manuell in der Küche durchführen und den Messingzylinder mit einer verstellbaren Zange fixieren. Damit dieser nicht immer durchrutscht, musste ich die Bohrdurchmesser immer nur ganz wenig steigern. Aus diesem Grund habe ich mir noch etliche Bohrer besogen müssen, zum Beispiel mit den Durchmessern …6.5, 6.8, 7.0, 7.2, 7.5, 7.8, 8.0, 8.2 und 8.5 mm.
Die Schnur muss ja unterhalb der Rolle mit einem Gewicht belastet werden. Ich habe zwar zwei 3 kg Gewichte von meiner Fernrohrmontierung, habe mir dann aber trotzdem 2 x 0.5 kg und 2 x 1.25 kg Gewichte aus dem Fitnesssektor besorgt und nur rund 13 Euro nach Rabatt für alle 4 bezahlt…
Quelle: Gigasport
Damit kann ich dann folgende Gesamtmassen abdecken: 0.5 kg, 1.0 kg, 1.25 kg, 1.75 kg, 2.25 kg, 2.5 kg, 3,0 kg und 3.5 kg.
 
Der Stab des Thermometers steckt ja auf der Seite im Messingzylinder. Wenn dieser schnell gedreht wird, dann besteht die große Gefahr, dass das Thermometer durch den langen Hebel stark zu eiern beginnt. Um dies zu verhindern, habe ich eine einfache Zylinderführung gebastelt. Den Führungszylinder fixiere ich dann über die angeklebte Gewindestange:
Ich weiß, mit dieser Verklebung gewinne ich keinen Schönheitswettbewerb 😉
Die für das größere 8.5 mm–Loch (≡ M10) benötigten Stahlbohrer sind inzwischen angekommen:
Zusätzlich habe ich mir auf Amazon auch noch folgenden analogen Kraftmesser/Waage für nur 5 Euro bestellt. Es kann durchaus sein, dass eine analoge Anzeige der digitalen zu bevorzugen ist, falls etwa die Messwerte schnell schwanken. Dann kann man mit dem Zeiger automatisch in etwa den Mittelwert ablesen.

Das 8.5 mm große Loch habe ich mittlerweile auch schon dank der vielen nur leicht unterschiedlichen Bohrer bohren können:
Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne…
Für das M10-Gewinde habe ich mein günstiges aber mittlerweile über Jahrzehnte zuverlässiges Gewindeschneiderset:
Das fertige Gewinde:
Gleich einmal auf die Gewindestange gesetzt:
Auf der anderen Seite steckt dann das Thermometer:
Mit montierter Führung für den langen Thermometerstab:
           
Die Anzahl n der Rotationen bestimme ich bequem mit einem Lichtsensor + Arduino, hier der einfache Schaltplan und der Code:

Arduino-Programm:

#include <LiquidCrystal_I2C.h>
#include <Wire.h>

LiquidCrystal_I2C lcd(0x27,16,2);  // set the LCD address to 0x27 for a 16 chars and 2 line display. ACHTUNG: Adresse kann auch 0x3F sein !!!

// Anschlüsse:
// GND - GND
// VCC - 5V
// SDA - ANALOG Pin 4
// SCL - ANALOG pin 5


int sensor = 2; 
unsigned long currentTime;
unsigned long lastTime;
float period;

int n;     // number of rotations

const int buttonPin = 8;     // the number of the pushbutton pin
boolean buttonState = 0;     // variable for reading the pushbutton status


// ===========================
// =======   SETUP   =========
// ===========================

void setup()
   {
    // initialize the sensor-pin as an input:
    pinMode(sensor, INPUT);
    
    // initialize the pushbutton-pin as an input:
    pinMode(buttonPin, INPUT);
   
    Serial.begin(9600);

    attachInterrupt(digitalPinToInterrupt(sensor), pulse, RISING);         // Setup Interrupt
   
    lcd.begin();        // initialize the lcd
    lcd.backlight();
    lcd.setCursor(0,0);
    lcd.print("Rotations-");
    lcd.setCursor(0,1);
    lcd.print("zaehler");
    
    delay(3000);
    
    lcd.setCursor(0,0);
    lcd.print("             ");
    lcd.setCursor(0,1);
    lcd.print("            ");

    lastTime = millis();

    n = 0;
   }


// ========================
// =======  LOOP  =========
// ========================

void loop ()
   {
    buttonState = digitalRead(buttonPin);
    
    if (buttonState == LOW)
       {
        n = 0;     // reset of the rotation-number
       }
    
    lcd.setCursor(0,0);
    lcd.print("tau = ");
    lcd.print(period/1000, 2);
    lcd.print(" sek      ");

    lcd.setCursor(0,1);
    lcd.print("n = ");
    lcd.print(n);
    lcd.print("    ");
        
   }

// =============================
// =======  INTERRUPT  =========
// =============================

void pulse () // Interrupt function
   {
    currentTime = millis();

    if(currentTime - lastTime > 20)      // avoiding bouncing of the sensor-input
       {
        period = currentTime - lastTime;

        lastTime = currentTime;

        n = n + 1;
       }
   }

Hier die Bilder vom Aufbau auf meinem Küchentisch, denn diesmal blieb der Küchenboden verschont 😉

Ich habe mich für den mechanischen Kraftmesser entschieden, da man damit besser Schwankungen intuitiv rausmitteln kann und ich zusätzlich zu Beginn einen höheren Anzeigewert benötige, der dann im Betrieb ja sinkt und dies aufgrund einer vorhandenen Verstellschraube möglich ist.

Als Gewicht hängen im Moment 1.25 kg am Seil:

Meine Arduino-Platine, die mir schon oft wertvolle Dienste erwiesen hat, da ich dann einfach nur die diversen Sensoren anstecken muss und keine Lötarbeiten vonnöten sind:

Der IR-Lichtsensor, welcher auch schon gefühlte 15 mal bei meinen Projekten zum Einsatz kam:

So, gestern konnte ich die ersten Messungen durchführen: Die Starttemperatur lag bei 20.5 °C.

Rotationszähler auf 0 gestellt:

Ohne Rotation zeigte der Kraftmesser m = 2.55 kg an, was nach der Formel F = m · g einer Kraft von F = 25.02 N entspricht:

Während der Drehung konnte ich eine Masse m = 1.55 kg, sprich eine Kraft F = 15.21 N ablesen:

Nach n = 125 Rotationen beendete ich den Versuch:

Das Thermometer zeigte nun 21.3 °C an:

Mit diesen Werten und der Masse m = 306 g des Messingzylinders konnte ich die experimentelle Beziehung zwischen Kalorie und Joule bestimmen:

Wie zu erwarten war, stimmt die Beziehung zwischen cal und J nicht bzw. entspricht 1 cal einem zu hohen Joule-Wert. Die Gründe dafür liegen in den Wärmeverlusten bzw. den falschen Messwerten für T und m. Die im Zentrum gemessene Temperatur T2 ist mit Sicherheit geringer als T1 an der geriebenen Oberfläche. Zudem erhitzt das geriebene Seil nicht nur den Messingzylinder m1, sondern auch die Gewindestange mit der Masse m2. Das bedeutet, dass zur Berechnung von Qin eigentlich eine größere Temperaturdifferenz ΔT und eine größere Masse mbrass eingesetzt werden müsste. Dies würde dann den Wert Qin erhöhen und das Verhältnis zwischen Kalorie und Joule reduzieren! Der Sollwert liegt bei 1 cal = 4.155 J…

Damit ich für das Experiment kein zusätzliches Stativ benötige, habe ich noch ein wenig weitergebastelt und die Bodenplatte dicker gemacht, damit die Mutter zur Fixierung der dicken Gewindestange unten am Boden nicht stört.

Verglichen mit dem externen Stativ ist die Gewindestange nun deutlich näher zum Messingzylinder gerückt. Durch den geringeren Hebel wird nun das neue Stativ weitaus weniger belastet und verbiegt sich hoffentlich nicht so stark:

Damit die Gewindestange auch möglichst steif mit der Grundplatte verbunden werden kann, habe ich oben noch ein zusätzliches Holzbrett angebracht:

Auf der Unterseite steht nun keine Schraube bzw. Mutter über, sodass die ganze Bodenplatte auf dem Küchentisch problemlos aufliegt:

Mein Bruder besorgt mir noch anstelle der M10 Gewindestange eine M12, damit sich das Stativ noch weniger biegt:

Wenn ich diese eingebaut und eine neue Messung durchgeführt habe, geht es hier final weiter…