Der Kelvin-Generator oder Kelvinsche Wassertropfengenerator ist eine Influenzmaschine, die die Energie zum Aufbau der elektrischen Spannung aus der kinetischen Energie von geladenen fallenden Wassertropfen gewinnt. Durch geschickte kreuzweise Verbindung der beiden Ringelektroden mit den beiden Auffangbechern baut sich eine elektrische Spannung zusehends auf. Das Gerät wurde im Jahre 1867 von William Thomson beschrieben, der 1892 Lord Kelvin of Largs wurde.

Wie schon angedeutet besteht der Kelvingenerator aus zwei Ringelektroden, zwei Auffangdosen und einem Wasserreservoire. Die beiden metallischen Auffangbecher sind kreuzweise mit den metallischen Ringelektroden verbunden. Zwischen den beiden Ringelektroden oder den Auffangbechern befindet sich eine Funkenstrecke, welche beim Erreichen einer bestimmten Spannung (z.B. 5 kV) zündet. Danach „lädt“ sich der Generator wieder von vorne auf.
Wie funktioniert nun ein Kelvingenerator? Im Wasser befinden sich immer wieder einmal Ionen, also geladene Atome oder Moleküle. Zum Beispiel kommt es vor, dass ein Wasserstoffatom ein Elektron abgibt und sich dadurch positiv lädt. Ist das Wasserstoffatom Teil des Wassermoleküls H2O, so ist dieses als Ganzes positiv geladen. Ebenso verhält es sich, wenn etwa ein Sauerstoffmolekül ein zusätzliches Elektron aufnimmt. In diesem Fall ist das Wassermolekül negativ geladen.

Durch Zufall fließt nun ein solch geladenes Molekül auf einer Seite, des Wasserreservoires ab und gelangt in den entsprechenden Auffangbecher, wodurch dieser nun eine elektrische Ladung besitzt. Nehmen wir an, der rechte Auffangbecher sei leicht positiv geladen. Durch die leitende Verbindung ist nun aber auch die linke Ringelektrode positiv geladen. Was passiert nun? Durch die positive Ladung der linken Ringelektrode baut sich ein elektrisches Feld um dieser herum auf. Dieses Feld stößt positive Ladungen ab und zieht negative Ladungen an.

Dieses elektrische Feld führt nun dazu, dass sich im linken Teil des Wasserreservoires negative Ladungen anhäufen und abfließen. Solange das Wasser oben im Reservoir zusammenhängt und als zunächst durchgehender Strahl nach unten fließt, ist es eine leitfähige Verbindung. In einem Leiter können sich Ladungen (Ionen) frei bewegen.wirkt auf den noch zusammenhängenden Wasserstrahl, der durch den Ring ragt. Konkret werden durch den positiv geladenen linken Ring die positiven Ladungen im Wasser nach oben (zurück in das Reservoir) verdrängt. Die negativen Ladungen im Wasser werden hingegen vom Ring nach unten in die Spitze des Strahls gezogen.




























Gesagt getan, also alles mit kleineren Zylinderelektroden probiert mit dem Resultat, dass nicht einmal die Neonglimmlampe, welche wirklich nicht viel Spannung benötigt, aufleuchtete. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass Kelvingeneratoren sehr zickig sind? ;-)Also alles wieder auf Neustart. Vom Baumarkt zwei 75 mm HT-Rohre besorgt (vielen Dank, Bruderherz) und zusammen mit einem großen Styroporblock und Drahtringelektroden auf einen komplett anderen Aufbau gesetzt:


















Von 2–3 mm Funken bin ich aber leider noch immer weit entfernt. Berührt ein Bein der Neonglimmlampe das kurze vom Zylinder kommende Drahtstück nicht ganz, blitzt sie auch noch auf und zwar recht stark. Ist der Abstand Bein-Draht aber größer als ca. 1–2 mm, so passiert wieder gar nichts. Die Spannung ist dann für den benötigten Funken scheinbar zu niedrig. Führe ich dann das abstehende Bein zum Draht, blitzt die Glimmlampe natürlich wieder auf. Das Ganze befriedigt mich noch in keinster Weise, denn ich will einen Funken sehen, sei er auch nur 1–2 mm lang.
So, neuer Tag, neues Glück. Ich habe ja die Auffangdosen mit Salzsäure von den Hundefutterresten befreit. Möglich, dass dies eventuell den geringen Output erklärt? Also wieder bei meiner Tochter zwei neue Dosen abgeholt und diese jetzt nur mit kochenden Wasser gereinigt. Eingebaut dann die Ernüchterung, es waren überhaupt keine Entladungen mehr sichtbar. Deshalb die neuen Dosen genauer inspiziert und bemerkt, dass deren Innenseite eine leicht andere Farbe haben. Könnte es sich um eine isolierende Beschichtung handeln? Also doch wieder zur Salzsäure gegriffen und diese in die beiden Dosen geschüttet. Und siehe da, da löste sich wirklich etwas.
Sodann neuer Versuch mit den säurebehandelten Dosen, aber wieder kein Erfolgserlebnis. Irgendwie war ich ziemlich ratlos, also noch einmal systematisch vorgehen und den Abstand der Kupferzylinder zu den Auslassventilen sukzessive erhöhen und in jeder Position auch noch mit der Stärke des Wasserstrahls experimentieren. Und endlich, in einer Stellung waren dann wieder die Entladungen der Neonglimmlampe sichtbar. Ich probierte nun ein Bein der Glimmlampe nur bis ca. 2 mm dem Kupferdraht zu nähern und siehe da, was konnten meine schon müde gewordenen Augen wahrnehmen? Funken… 🙂


Tipp: Die beiden Wasserstrahlen sollen wirklich wie vermutet ziemlich genau in der Mitte der Zylinder Tropfen bilden! Der Abstand Wasserauslassöffnung – oberer Zylinderrand betrug bei mir rund 2-3 cm.



Zwar sehr schwach und eben nur 2 mm lang, aber genau das wollte ich sehen. Damit konnte ich auch dieses Projekt für mich zufriedenstellend beenden. Der Aufbau des Kelvingenerators ist wirklich sehr simpel und eignet sich daher sehr gut zum Nachbau. Und warum sollte nur ich mich mit dessen Zicken herumärgern 😉
