DNA-Struktur

Die Entdeckung der DNA-Doppelhelix durch James Watson (1928 – 2025) und Francis Crick (1916 – 2004)  im Jahr 1953 ist untrennbar mit der Röntgenbeugung (bzw. Röntgenstrukturanalyse) verbunden, insbesondere mit den Forschungsarbeiten von Rosalind Franklin (1920 – 1958).

Rosalind Franklin, eine Chemikerin am King’s College London, erstellte im Jahr 1952 zusammen mit Raymond Gosling hochwertige Röntgenbeugungsbilder der DNA. Das bekannteste Bild, „Foto 51“, zeigte ein charakteristisches X-förmiges Beugungsmuster.

 

Bildquelle: By Raymond Gosling – King’s College London Archives: KDBP1/1/867. Taken from „The double helix: “Photo 51” revisited“ by Thoru Pederson (https://doi.org/10.1096/fj.202000119), Public Domain, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=38068629

 

Watson und Crick, die am Cavendish-Laboratorium in Cambridge arbeiteten, nutzten diese Röntgendaten [die ihnen teilweise ohne Franklins Wissen durch Maurice Wilkins (1916 – 2004) zugänglich gemacht wurden], um ihr theoretisches Modell der DNA-Struktur zu entwickeln. Das X-förmige Beugungsmuster sprach in ihren Augen eindeutig für eine helikale (schraubenförmige) Struktur. Ihre Modellrechnungen, die auf den physikalischen Daten der Röntgenbeugung basierten, führten schließlich zur Entdeckung der komplementären Basenpaarung (A-T, C-G) innerhalb der Doppelhelix.

 

Rosalind Franklins experimentelle Arbeit war somit die entscheidende Grundlage, die es Watson und Crick ermöglichte, das Rätsel der DNA-Struktur zu lösen.

  • Die DNA hat eine helikale Struktur
  • Die Stickstoffbasen sind innen, das Zucker-Phosphat-Gerüst außen angeordnet
  • Die helikale Struktur besteht aus zwei Strängen (Doppelhelix)
Bildquelle: ChatGPT

 

Für ihre Leistungen erhielten James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins im Jahr 1962 den Nobelpreis für Medizin zugesprochen. Die Chemikerin Rosalind Franklin ging trotz ihres maßgeblichen Beitrags leer aus. Wohl ein Zeichen dafür, dass es Frauen in der Wissenschaft doppelt schwer haben und oft nicht die Anerkennung erhalten, die ihnen gebührt…

 

Ich möchte in diesem Projekt mittels Beugung eines Laserstrahls an einer Schraubenfeder die Struktur der DNA ergründen. Die Schraubenfeder ähnelt sehr stark der Doppelhelix der DNA, von daher lassen sich die mit der Schraubenfeder erzielten Ergebnisse gut mit dem berühmten Foto 51 schlussendlich vergleichen. Dann ran an die Arbeit…

Für dieses Experiment benötigen wir lediglich
  • eine sehr kleine Schraubenfeder wie sie zum Beispiel in kleinen Glühbirnen vorkommt
  • einen Laser
  • 2 Beugungsgitter mit 300 Linien/mm

Zunächst widmen wir uns den Beugungmustern von einem bzw. 2 Gitter. Beugungsgitterfolie kann man zum Beispiel über AstroMedia sehr günstig beziehen, allerdings nur mit 500 Linien/mm und 1000 Linien/mm:

Ich hatte zum Glück noch 2 Beugungsgitter mit 300 Linien/mm zuhause. Durch die geringere Anzahl an Linien pro Millimeter ist das Beugungsbild kompakter/enger als bei 500 Linien/mm.

Was erwarten wir bei einem bzw. zwei Beugungsgittern? Nun, verwenden wir ein einzelnes, horizontal ausgerichtetes Gitter, so rechnen wir in der Mitte mit einem hellen Beugungsmaximum 0-ter Ordnung, rechts und links flankiert von immer schwächer werdenden Beugungsmaxima höherer Ordnung. Neigen wir das einzelne Beugungsgitter, so neigt sich auch die Achse der Maxima. Was passiert aber, wenn wir hinter dem leicht geneigten Beugungsgitter ein weiteres platzieren, welches leicht in die andere Richtung geneigt ist? Jeder einzelne Maximastrahl des ersten Gitters wird dann durch das zweite Gitter in weitere Strahlen zerlegt. Man erwartet dann das rechts in der Abbildung dargestellte komplexe Beugungsmuster:

Die hellsten Maxima sollten sich entlang eines zentralen X befinden:

Horizontal ausgerichtetes, einzelnes Beugungsgitter:

Einzelnes, schräges Beugungsgitter:

Zwei entgegengesetzt geneigte Beugungsgitter hintereinander:

Die hellsten Punkte liegen in der Tat auf einem umgekippten X:

Kommen wir jetzt aber zu unserer DNA bzw. Schraubenfeder. Was hat aber bitte eine Schraubenfeder mit Beugungsgitter zu tun? Schauen wir uns eine Schraubenfeder etwas genauer von der Seite an:

Die einzelnen Spiralen besitzen eine regelmäßige Anordnung und bilden dadurch in gewisser Weise ein bzw. sogar zwei Beugungsgitter. Das erste Gitter ist oben eingezeichnet und nach links geneigt. Das zweite Gitter besitzt dieselbe Gitterkonstante, ist aber nach rechts geneigt:

In Summe stellt die Schraubenfeder also ein doppeltes Beugungsgitter dar, wobei beide Gitter eine entgegengesetzte Neigung aufweisen:

Das Beugungsbild der Schraubenfeder sollte also jenem mit den zwei gegenseitig geneigten Beugungsgittern ähneln. Deutliche Beugungserscheinungen treten allerdings nur dann merkbar auf, wenn der Gitterabstand/die Gitterkonstante im Bereich der Lichtwellenlänge liegt, also konkret bei ca. 0.5 µm. So eine kleine Spiralfeder habe ich leider nicht. Es gibt aber eine einfache Bezugsquelle für eine sehr kleine Spiralfeder und zwar der Glühfaden einer kleinen Glühbirne (z.B. 24V/2W):

Damit ich denn doch sehr kleinen Glühfaden fotografieren kann, habe ich mir schnell ein Smartphone-Mikroskop gebastelt. Man benötigt nur eine günstige Linse für ein Lasermodul. Diese gibt es einzeln auf ebay für kleines Geld zu kaufen. Sie besitzen außen ein M9-Gewinde:

Die Ergebnisse:

Damit die Spiralstruktur stärker hervortritt habe ich den Glühfaden vorsichtig gedehnt:

Fertig ist unsere „DNA“, also kann das finale Experiment beginnen.

Ohne DNA/Schraubenfeder:

Mit DNA/Schraubenfeder:

Für eine bessere Sichtbakeit muss man den Raum abdunkeln:

Man erkennt aber eindeutig in der Mitte ein zusammengedrücktes X, Heureka…

Vergleicht man nun unser Ergebnis mit dem Foto 51, so erkennt man doch ziemliche Ähnlichkeiten. Wir haben also mittels einer gewöhnlichen Glühbirne die Struktur der DNA, also dem fundamentalen Erbmolekül in Zellen, das als Bauplan für Lebewesen dient, entschlüsselt. Watson, Crick und Franklin wären stolz auf uns bzw. hätten wir das Experiment for 75 Jahren gemacht, hätten wir den Nobelpreis bekommen 😉

Aufgrund der Einfachheit des Experiments, der sehr günstigen Materialien und der historischen Wichtigkeit ist es in meinen Augen quasi ein Muß für das schulische Physiklabor. Die Schüler sollten aber selbst Vermutungen anstellen, wie zum Beispiel die Beugungsbilder eines schräg gestellten Beugungsgitters und zweier gegenseitig geneigter Beugungsgitter aussehen. Und dann sollen sie auch selbst herausfinden, was eine Spiralfeder damit zu tun haben könnte. Zuguterletzt sollen sie erfahren, dass die Geschichte der Naturwissenschaften/Physik oftmals in keinster Weise gerecht ablief, vor allem was die Anerkennung von Frauen betraf…